Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Stellen wir uns für den Moment vor, wir wären im Jahr 2040. Die Kühlung der Quantencomputerinfrastruktur in Frankfurt wird aus Strom von Fusionskraftwerken versorgt. In Marburg, wo vor über 120 Jahren der erste Medizin-Nobelpreis für ein Diphtherieserum verliehen wurde, wird am selben Standort Gentherapie produziert, die Krankheiten heilt, die wir heute noch nicht therapieren können. Die Roboter, die in den Supermärkten Regale einräumen, tragen das Label „Made in Hessen“, und die Technologien für die Energiewende in ganz Europa kommen aus Kassel. Die Hightech Agenda Deutschland macht das Versprechen, dass das keine Science-Fiction bleiben muss und dass wir Antworten in Deutschland und Europa finden, statt von russischem Gas, China-Importen und amerikanischen KI-Modellen abhängig zu sein. Es liegt jetzt an uns, ob Hessen bereit ist, dieses Versprechen für sich zu nutzen.
Die Hightech Agenda will den mutigen Versuch wagen, auf die großen Herausforderungen unserer Industrie, Souveränität und unseres Wohlstands Antworten zu erarbeiten. Dafür müssen Industrie, Bund und auch Länder gemeinsam anpacken. Der Bund gibt in dieser Legislaturperiode rund 18 Milliarden Euro in diese Agenda. Die Bestimmungen zur Förderung sehen eine Kofinanzierung von 30 bis 50 % aus Ländern und Industrie vor. Das ist nun einmal ein Bund-Länder-Programm, und wir müssen gemeinsam anpacken. Deshalb sind jetzt die Länder gefragt, diese Summe nicht verpuffen zu lassen, sondern in echte Standorte, echte Arbeitsplätze und echte Innovationen zu übersetzen. Hessen hätte alles, um bei dieser Frage vorne mitzuspielen. Ich glaube, da sind wir uns in diesem Haus einig. Mit hessian.AI haben wir eines der stärksten KI-Cluster dieses Landes. In Frankfurt, Marburg und Gießen haben wir Spitzenforschung in der Medizin. In Nordhessen haben wir eine starke Nachhaltigkeitswissenschaft und die Industrie für erneuerbare Energien. An der TU Darmstadt sind wir stark in der Robotik, im Quantencomputing und in den Materialwissenschaften. Wir haben eine starke Pharmazieforschung und eine starke Pharmaindustrie. Mit LOEWE haben wir ein Landesförderprogramm, das genau solche Cluster seit Jahren stark gemacht hat. Hessen hat die Substanz, um eine Leitregion in der Hightech Agenda zu werden.
Wer sich jetzt aber die Unterstützung des Landes bei den bisherigen Roadmaps ansieht, sieht außerhalb der Fusionsforschung nicht viel. Da hilft es auch nicht, wenn Ihr Antrag Gegenteiliges behauptet; denn konkret fehlt die Unterstützung mit echtem Einsatz, mit Euros und mit motivierenden LoIs. Sie können in Ihrem Antrag auch nichts Konkretes benennen, wie Sie unterstützen, wie Sie die erwähnten Anträge in der Robotik und in der zivilen Sicherheit unterstützt haben. Das muss sich schleunigst ändern.
Deshalb sind unsere Forderungen an die Landesregierung: Setzen Sie sich mit den Hochschulen an einen Tisch, und holen Sie die Industrie gleich mit dazu. Entwickeln Sie gemeinsam eine hessische Strategie mit klaren Schwerpunkten, statt auf die Ausschreibungen der Roadmaps einzeln und unvorbereitet zu reagieren. Nur wenn Wissenschaft, Wirtschaft und Land an einem Strang ziehen, wird Hessen erfolgreich in diesen Wettbewerben sein. Nur dann werden aus Forschungsergebnissen tatsächlich Produkte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung bei uns in Hessen.
Ein Punkt zeigt besonders deutlich, dass das auch gelingen kann: der neue Fusions-Hub in Biblis. Das ist der erste hessische Erfolg im Rahmen der Hightech Agenda, und darüber freuen wir uns. Damit der Standort jetzt zügig erschlossen wird und sich Laser- und Optikindustrie verstärkt ansiedelt, braucht es eine klare Verantwortlichkeit in der Landesregierung statt ein weiteres Zuständigkeitswirrwarr.
Meine Damen und Herren, die Hightech Agenda ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei der Bund, Länder und Wissenschaft mit der Wirtschaft gemeinsam wirklich Großes bewegen können. Diese Gelegenheit wird Hessen nicht so schnell ein zweites Mal bekommen. Beenden Sie deshalb Ihre Zurückhaltung, und gestalten Sie an den Zukunftstechnologien „Made in Hessen“ mit. – Vielen Dank.
